„Das Produkt hat 40 % Marge" — dieser Satz hat schon viele Marktplatz-Händler Geld gekostet. Denn die Handelsspanne aus dem Einkauf sagt nichts darüber, was nach Provision, Versand und Retouren wirklich übrig bleibt. Genau dafür gibt es den Deckungsbeitrag.
Was ist der Deckungsbeitrag?
Der Deckungsbeitrag ist die Differenz zwischen dem Umsatz und den zurechenbaren variablen Kosten. Er zeigt, wie viel ein Produkt oder eine Bestellung dazu beiträgt, die Fixkosten zu decken und Gewinn zu erwirtschaften. Ist der Deckungsbeitrag negativ, verlierst du mit jedem Verkauf Geld — egal wie gut der Umsatz aussieht.
In der Praxis wird der Deckungsbeitrag stufenweise berechnet: DB I, DB II und DB III. Jede Stufe zieht eine weitere Kostenschicht ab und beantwortet eine andere Frage.
DB I, DB II, DB III — die drei Stufen im Überblick
| Stufe | Formel | Beantwortet die Frage |
|---|---|---|
| DB I | Netto-Umsatz − Wareneinsatz | Wie gut ist mein Einkauf? |
| DB II | DB I − direkte Verkaufskosten (Provision, Versand, Verpackung, Zahlungsgebühren, anteilige Retouren) | Lohnt sich der Verkauf über diesen Kanal? |
| DB III | DB II − zurechenbare Marketingkosten (z. B. Sponsored Ads) | Lohnt sich das Produkt inklusive Werbung? |
Wichtig: Gerechnet wird immer mit Netto-Werten. Die Mehrwertsteuer, die du vereinnahmst, gehört dem Finanzamt — sie ist kein Umsatz.
Rechenbeispiel: eine Kaufland-Bestellung, Schritt für Schritt
Alle Zahlen im folgenden Beispiel sind fiktiv und dienen der Illustration. Angenommen, du verkaufst ein Produkt für 59,99 € inklusive Versand (Bruttopreis, 19 % MwSt.) in einer Kategorie mit 13 % Provision:
| Position | Betrag |
|---|---|
| Brutto-Verkaufspreis (inkl. Versand) | 59,99 € |
| − Umsatzsteuer (19 %) | −9,58 € |
| = Netto-Umsatz | 50,41 € |
| − Wareneinsatz (EK inkl. Beschaffung) | −24,00 € |
| = DB I | 26,41 € |
| − Kaufland-Provision (13 % von 59,99 €, netto) | −6,55 € |
| − Versand (Carrier-Kosten) | −4,20 € |
| − Verpackung | −0,60 € |
| − anteilige Retourenkosten (bei 6 % Quote) | −1,90 € |
| = DB II | 13,16 € |
| − anteilige Werbekosten (Sponsored Ads) | −2,50 € |
| = DB III | 10,66 € |
Aus „59,99 € Umsatz" werden also 10,66 €, die tatsächlich zur Deckung deiner Fixkosten (Grundgebühr, Lager, Software, Personal) und zum Gewinn beitragen. Das ist keine schlechte Quote — aber sie ist eben ein Drittel dessen, was die naive Rechnung „Verkaufspreis minus Einkaufspreis" suggeriert hätte.
Warum die Handelsspanne allein in die Irre führt
Die Handelsspanne (Verkaufspreis minus Einkaufspreis) ignoriert systematisch drei Dinge:
- Kanalkosten: Provision und Versand unterscheiden sich je Marktplatz und Kategorie — dasselbe Produkt kann auf einem Kanal profitabel und auf einem anderen ein Verlustgeschäft sein.
- Retouren: Eine Retourenquote von 6 % bedeutet, dass du die Kosten der Retouren auf die verbleibenden 94 % der Verkäufe umlegen musst.
- Die MwSt.-Falle: Wer Brutto-Verkaufspreis mit Netto-Einkaufspreis vergleicht, rechnet sich um 19 Prozentpunkte reicher, als er ist.
Wie oft sollte ich Deckungsbeiträge berechnen?
Deckungsbeiträge sind kein Jahresabschluss-Thema, sondern ein Steuerungsinstrument: Sie gehören auf Produktebene und laufend berechnet. Preisänderungen, neue EK-Konditionen, geänderte Provisionssätze oder eine steigende Retourenquote verschieben das Ergebnis sofort — wer nur quartalsweise in Excel rechnet, sieht Verlustbringer drei Monate zu spät.
Genau das ist die Aufgabe von AfterCost: Es berechnet DB I bis DB III automatisch für jede Bestellung und jedes Produkt aus deinen Kaufland-Daten, EK-Preisen und Versandkosten — tagesaktuell statt am Monatsende. Welche Gebühren dabei einfließen, liest du im Artikel Kaufland-Gebühren für Händler erklärt.